Für Online-Händler ist es wichtig, ihre Seriosität zu unterstreichen und dem französischen Verbraucher ein Sicherheitsgefühl beim Online-Shopping zu geben. Dafür müssen sie die relevanten Bezahlmethoden kennen und die Website entsprechend des Zielmarktes anpassen. Zunächst müssen Sie aber die rechtlichen Besonderheiten kennen. Welche Zahlungsarten sind in Frankreich üblich, was erwarten Verbraucher?

Bevor die relevanten Zahlungsarten in Frankreich besprochen werden, macht es Sinn auf das Thema Bonitätsprüfung zu schauen, das inbesondere für die Zahlungsart Rechnung relevant ist.

Bonitätsprüfung

Das System der Bonitätsprüfung im Online-Händel ermöglicht es Händlern, das Zahlungsausfallrisiko von Kunden genau einschätzen zu können. Im Falle der Wahl der Zahlungsart Rechnung hat der Händler auch ein berechtigtes Interesse, eine solche Prüfung vorzunehmen. Bei der Wahl einer anderen Zahlungsart benötigt der Händler die ausdrückliche Einwilligung des Kunden.

Die Rechtslage in Frankreich unterscheidet sich zu diesem Thema. Aus juristischen Gründen ist es für Online-Händler nicht möglich, Bonitätsprüfung durchzuführen.

Die Abfrage der Bonität würde den französischen Verbraucher sogar misstrauisch machen, weil sie unüblich und unnötig ist. In der Regel haben Unternehmen keinen einfachen Zugang zu Kreditüberblicken und Informationen zu Zahlungsausfällen, es sei denn, es handelt sich um Banken, die Kredite vergeben. Zudem wird der Umgang mit persönlichen Daten als sensibel betrachtet.

Der Einfluss der Vertragsschlussregelung

In Frankreich ist der Online-Vertragsschluss mit Verbrauchern genau geregelt. Diesbezüglich ist in der Vergangenheit ein Leserkommentar eingegangen, dass beim sofortigen Vertragsschluss mit französischen Verbrauchern Scoring überflüssig sein würde. In der Tat, gibt es in Frankreich kein Scoring, aber eine Art Bonitätsprüfung durch die Bank des Verbrauchers gibt es dennoch.

Wenn der Verbraucher im Bestellprozess die Bezahlung per Kreditkarte wählt, gibt er seine Zahlungsdaten an. In einigen Fällen gibt es dann einen zusätzlichen Schritt, in dem es eine Weiterleitung zur Verbraucherbank gibt.

Dort muss der Verbraucher einen Bestätigungscode eintragen, den er per SMS erhält. Dieser Schritt soll dazu dienen, mehr Sicherheit zu gewährleisten.

Der Bestellprozess im Shop kann aber auch ohne diesen zusätzlichen Schritt fortgesetzt werden. In jeden Fall wird bei der Verbraucherbank geprüft, ob das Konto gedeckt ist oder ob das Limit der Kreditkarte bereits erreicht wurde. Die Bezahlung mit Karte ist unwiderruflich, außer wenn eine betrügerische Nutzung stattfindet.

Sollte die Prüfung bei der Verbraucherbank ergeben, dass Zahlungsunfähigkeit besteht, sieht der Verbraucher einen Hinweis, der sagt, dass seine Zahlung nicht erfolgreich stattfinden konnte. Der Vertrag wird nicht geschlossen, weil der Bestellprozess nicht zu Ende geführt wird. Der Verbraucher kann natürlich nochmals versuchen zu bezahlen, indem er einen andere Zahlungsart auswählt.

Zahlungsarten und Verbraucherverhalten

Die oben erklärten wesentlichen Unterschiede zwischen Frankreich und Deutschland haben einen Einfluss auf die verfügbaren Zahlungsmethoden und das Verbraucherverhalten. Da es Online-Bonitätsprüfungen nicht gibt, ist es folglich nicht möglich, Zahlarten wie Klarna in Frankreich anzubieten. Nachnahme ist in Frankreich nicht sehr üblich. Auf diese in Deutschland oft angebotene Zahlungsmethode, kann in Frankreich getrost verzichtet werden.

Die besonders relevanten Zahlungsarten sind:

Vorkasse

Vorkasse ist in Frankreich sehr üblich. Die Franzosen sind es gewohnt, im Voraus zu bezahlen. Das ist für Online-Händler eine gute Nachricht, weil die Retouren-Rate in Frankreich niedriger ist als in Deutschland. Franzosen überlegen sich genau, was sie bezahlen und behalten die Waren entsprechend öfter.

Bankkarten

Die Bezahlung per Bankkarte ist die beliebteste Zahlungsarte französischer Verbraucher.

Ob Carte Bleue (erste Bezahlungskarte, die 1967 in Frankreich eingeführt und 2010 an Visa Europe verkauft wurde), Visa oder MasterCard, die Franzosen lieben es, mit ihrer Karte zu bezahlen.

Die e-carte bleue, ist ebenfalls möglich, wenn der Verbraucher, diese Option bei seiner Bank gewählt hat.

Scheck

Frankreich ist das Land, das am meisten Schecks benutzt. 68,5% der Schecks in der EU werden in Frankreich emittiert. Der Vorteil diese Zahlungsart für den Online-Händler: er kann dem Verbraucher eine für ihn sichere Zahlungsart anbieten. Der Verbraucher muss seine Zahlungsdaten nicht online eingeben, was skeptischen Verbrauchern ein Sicherheitsgefühl gibt.

Der Nachteil für Online-Händler: den Scheck einzulösen ist ein Verfahren und es gibt ein Risiko des Zahlungsausfalls. Um diese Risiko zu vermeiden, ist es üblich, dass der Online-Händler in seinen AGB eine Lieferung der Ware ab Empfang/Einlösung des Schecks vorsieht.

Auch wenn Schecks in Frankreich noch häufig genutzt werden, ist ihre Popularität zugunsten elektronischer Zahlungsmethoden gesunken.

PayPal

Zusätzlich steigt die Verbreitung von PayPal, sie übersteigt jedoch nicht die Nutzung der Bankkarte.

Fazit

Deutliche Unterschiede bestehen zwischen Frankreich und Deutschland hinsichtlich des Konzepts des Online-Bonitätsprüfungs. Das führt dazu, dass es Abweichungen gibt, in Bezug auf, was gesetzlich möglich ist. Zudem sind andere Zahlungsarten relevant, was sich auch durch das unterschiedliche Zahlungsverhalten der Verbraucher begründet. Deutsche Online-Händler mit Zielmarkt Frankreich sollten auf diese Besonderheiten achten, um erfolgreich zu sein.

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