Neckermann geht in die Insolvenz

Jetzt ist es offiziell.  Die Neckermann.de GmbH hat soeben den Antrag auf Insolvenz gestellt. Dies hat das Unternehmen bestätigt, nachdem ein Verdi-Sekretär gegenüber der Nachrichtenagentur dpa das Scheitern der Verhandlungen mit der Geschäftsführung verkündet hatte.

Am Mittwoch, 18. Juli 2012, einigten sich Unternehmen, Betriebsräte und ver.di auf einen Kompromiss, der in begrenztem Umfang Abfindungen und Transfergesellschaften enthielt. Die Geschäftsführung hatte einen Weg gefunden, die dazu notwendigen finanziellen Mittel aus dem am 27. April 2012 mit dem Gesellschafter verabschiedeten Businessplan in verschiedenen Tranchen bis zum ersten Quartal 2013 bereitzustellen. Auch in weiteren Punkten war eine Einigung zwischen Unternehmen und Arbeitnehmervertretern erfolgt und die Verhandlungen damit weitgehend abgeschlossen.

Der Eigentümer des Unternehmens hält das Ergebnis dieser Verhandlungen nicht für tragfähig und wird keine weiteren Mittel für die Finanzierung zur Verfügung stellen. Unter den gegebenen Rahmenbedingungen kann das Unternehmen in seiner bestehenden Form damit nicht fortgeführt werden.

Deshalb wurde heute ein Insolvenzantrag gestellt.

Die Geschäftsführung wird alles daran setzen, das laufende Geschäft auch im vorläufigen Insolvenzverfahren aufrechtzuerhalten und alle Möglichkeiten prüfen, die sich zur Fortführung des Geschäfts ergeben.

Mit diesen Worten hat Neckermann.de in Frankfurt seine Insolvenz bekannt gegeben.

Ein Unternehmen zwischen Katalog und E-Commerce

Die neuen Investoren hatten große Erwartungen in Neckermann gesetzt, nachdem das Unternehmen durch die Insolvenz der Arcandor-Gruppe wieder selbstständig geworden war. Allerdings schaffte es Neckermann niemals in wirklich ganz ruhiges Fahrwasser zu steuern. Eine strategische Neuausrichtung erwies sich als ungemein schwierig.

Die Unternehmensführung gab ein klares Ziel aus: Online first! Allerdings konnte und wollten die Firmenlenker aber nie auf den Katalog verzichten. Auch groß angekündigte Social Media Projekte verschwanden alsbald im Mahlstrom der Bedeutungslosigkeit.

Vereinzelte Versuche ausländischer Landesgesellschaften sich frühzeitig nur noch als Online-Händler zu positionieren und den Katalog aufzugeben, wurden von Frankfurt aus kassiert und rückgängig gemacht.

Im Herbst 2011 sah sich die Unternehmensführung gezwungen, das Geschäft in Osteuropa aufzugeben. Dafür sollte das Geschäft in Österreich ausgebaut werden, um die fehlenden Umsätze zu kompensieren.

Erst im April 2012 riss Neckermann das Steuer mit aller Kraft in Richtung online herum. Einen Katalog sollte es ab sofort nicht mehr geben. Um diesen radikalen Kurswechsel umsetzen zu können, kündigte das Unternehmen die Entlassung von rund 1.500 Mitarbeitern an.

Die Insolvenz ist der traurige Endpunkt einer unsteten Entwicklung. Vorwürfe und Schuldzuweisungen sind zum jetzigen Zeitpunkt sicher fehl am Platze. Bleibt zu hoffen, dass es dem Insolvenzverwalter gelingt, das laufende Geschäft aufrechtzuerhalten und die Fortführung des Geschäfts zu sichern.