Seit dem 1. August gilt in Deutschland die Button-Lösung. Viele Shopbetreiber stöhnen unter der Last, ihre Bestellseiten im Shop neu zu gestalten zu müssen. Nun erheben Marktteilnehmer schwere Vorwürfe, die Interessen der Online-Händler seien in dieser Sache wieder einmal nicht vertreten worden.

Jetzt wehrt sich einer der Angegriffenen.

Unter der Überschrift „Wenn die Lobby versagt: Das Problem mit der Button-Lösung“ wettert Jochen Krisch, Unternehmensberater und Gründer des Blogs exciting commerce gegen das neue Gesetz.

Dabei geht es Krisch nicht in erster Linie um die Gesetzesinhalte. Bei der Button-Lösung würden

„unter dem Vorwand des Verbraucherschutzes der komplette Online-Handel ins Zwielicht gerückt und für das Treiben halbseidener Abofallensteller in Sippenhaft(ung) genommen.“

Der Online-Handel hat keine Lobby

Vielmehr geißelt er die aus seiner Sicht fehlgeschlagene beziehungsweise nicht geleistete Lobby-Arbeit der Branche und seiner politischen Interessenvertreter:

„Wenn man verfolgt, wie heute andernorts von Online-Seite frühzeitig Stimmung gemacht wird, um die schlimmsten Fehlentwicklungen zu verhindern, ist es schockierend zu sehen, wie unbedarft es der Online-Handel angehen lässt und wie er sich als williges Opfer von einer Schlachtbank zur nächsten führen lässt.

Sind sich Online-Händler eigentlich bewusst, dass sie aktuell komplett ohne Lobby dastehen und deshalb der ideale Spielball sind – für Politik, für Medien, für Dienstleister oder für wen auch immer, der sich an ihnen schadlos halten will? Man fragt sich manchmal, ob sich der Handel überhaupt eine Vorstellung davon macht, wo er aktuell überall über den Tisch gezogen wird.“

Auch wenn Krisch die Adressaten seiner Kritik nicht expressis verbis nennt, dürfte diese sich hauptsächlich gegen den Bundesverband des Deutschen Versandhandels (bvh) richten.

Die Button-Lösung ist das kleinere Übel

Christoph Wenk-Fischer, Hauptgeschäftsführer des bvh, wehrt sich gegen die Anwürfe. Der bvh habe das Schlimmste sogar verhindern können, denn es seien selbstredend neben der Button-Lösung auch weitere Gesetzesentwürfe in den Ausschüssen und Ministerien diskutiert worden.

„Aus der eigentlich geplanten „Zwei-Klick-Vorschaltseite“, dem Conversion mäßigen Supergau, ist zum Glück nur der zu beschriftende Bestell-Button geworden. Und auch daran muss man erinnern: Der Bundesrat wollte die Buttonlösung sogar für reine B2B-Händler. Auch das konnten wir verhindern.“

Dass es die Politik und allen voran die Vertreter der schwarz-gelben Regierungskoalition so ihre Schwierigkeiten mit dem Medium Internet haben, wird immer wieder deutlich. Man denke nur an „Zensursula“. Warum gibt es die Button-Lösung, fragt der Verbands-Chef?

„Weil die Politik sie entgegen unserer und vieler anderer Warnungen, kluger und überzeugender Argumente und trotz des Hinweises auf wirtschaftliche und rechtliche Folgen wollte.“

Inhaltlich sind sich Krisch und Wenk-Fischer in der Tat einig. Die Button-Lösung sei für den Online-Handel (mit Waren) überflüssig und der Erfolg müsse sich in der Praxis erst noch zeigen.